21. Mai 2015 | Aus dem Leben eines Trainers – Lehrer auch mal als Schüler

Nach dem Klingeln ist vor dem Workshop

Was müssen Lehrer eigentlich über die Nutzung von Sozialen Medien und Smartphones wissen? Wie kann man Soziale Medien zielorientiert im Unterricht nutzen? An die Beantwortung dieser und weiterer Fragen haben wir uns Anfang Mai zusammen mit dem Kollegium der 36. Oberschule in Dresden herangetraut. Das Spannende an diesem Tag? Die Lehrerweiterbildung findet als Workshop statt – die Lehrer hören nicht nur zu, sondern besuchen Stationen zu unterschiedlichen Themen und diskutieren miteinander in kleinerer Runde.

Wie bei jedem weiteren Workshop sammeln wir anfangs die Erwartungen der Teilnehmer an den Tag. Von reinen Wissensfragen („Was sind diese Sozialen Medien überhaupt?“) bis zu philosophisch angehauchten Überlegungen („Der gläserne Mensch – gut oder schlecht?“) ist alles dabei. Per Hashtag wird die persönliche Einstellung zu Sozialen Medien bekundet; die Meinungen gehen hierbei stark auseinander. Wie auf dem Bild unten zu sehen ist, ist unsere Trainerin Kristin Stritzke #VerliebtInSocialMedia manche Lehrer haben sich jedoch #ErfolgreichVerweigert.

#MeineEinstellungZuSocialMedia

Nach der Erwartungsanalyse ist die Zeit der Wissensvermittlung gekommen. Mehrere Soziale Netzwerke werden vorgestellt, die Gefahren von WhatsApp und Younow heiß diskutiert. Trotz der Gefahren sind die Lehrer nicht abgeschreckt und informieren sich auch gerne darüber, wie man Social Media im Unterricht einsetzen kann. Besonders still wird es im Klassenzimmer, sobald es ums Gesetz geht. Vor Allem die Fragen „Darf ich als Lehrer einem Schüler das Handy wegnehmen?“ (Nur während der Unterrichtszeit!) und „Darf ich einen Schüler auffordern, ein Bild von seinem Smartphone zu löschen?“ (Auffordern – nein, bitten – ja!) beschäftigen die Lehrer. Auch das Cybermobbing findet in der Lehrerweiterbildung Platz. Die Rolle des Lehrers wird besprochen, Vorbeugungsmaßnahmen und pädagogische Methoden zum Einschreiten im Falle eines Falles werden vorgestellt.

Lehrerweiterbildung interaktiv

Und nun dürfen die Lehrer ans Flipchart! Im World Café mit vier Stationen beziehen Lehrer Position zu den Fragestellungen „Soziale Medien im Schulkontext – ja oder nein?“ und „Cybermobbing an unserer Schule – wie gehen wir damit um?“, diskutieren über die Lage an der 36. Oberschule und denken über Maßnahmen zur Integration von neuen Medien in der Schule nach. Bei der Station „Lehrer als öffentliche Person im Internet“ setzen sich die Lehrer im Computerkabinett hinter den PC und manch einer versucht Informationen über sich selbst bei Google zu finden. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus: Einige Lehrer freuen sich über ihre Anonymität im Netz, während andere sehr gerne über sich nachlesen. Insgesamt sind sich die Lehrer jedoch einig – Kommunikation und Diskussion sollte nicht online, sondern persönlich und unter vier Augen stattfinden.

Flipchart 13

Soziale Medien – Vor- und Nachteile

Am Thementisch “Smartphonenutzung in der Schule – wie und wann?” kann man sich anfangs noch nicht recht konzentrieren, sondern diskutiert noch über die Suchergebnisse des vorherigen Thementischs im Computerkabinett. Alsbald entbrennen dann aber doch die großen Fragen:

  • “Was wollen wir kollektiv an Regeln und Konsequenzen ein- und weiterführen?”,
  • “Wie können wir die Schüler an der Regelüberarbeitung beteiligen, da sie sich teilweise auch gestört fühlen von der Smartphonesucht des Ein oder Anderen?” oder
  • “Wie können wir die Eltern sensibilisieren?”.

Mit Sozialen Medien in die Zukunft

Zum Abschluss des Workshops werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Lehrer zum Handeln im Bereich Neue Medien verpflichtet.

Unser Fazit zur neuen Art der Lehrerweiterbildung? Der Workshop hat Spaß gemacht und sollte als Konzept weiterentwickelt werden. Eine solche Weiterbildung birgt viel Potenzial für Schulen, um sich über Soziale Medien zu informieren und auch die Diskussion bezüglich Neuer Medien und ihres Einsatzes in der Schule und im Unterricht zu starten.

Wir sind gespannt, welche Neuerungen an der 36. Oberschule implementiert werden und freuen uns, dass wir mindestens ein #ErfolgreichVerweigert in #Interessiert umwandeln konnten! Denn geht es nicht genau darum; Neugier zu wecken, Angst zu nehmen und den Sozialen Medien an der Schule die Buhmann-Aura zu nehmen?

Autor: Eugenia Oscherowski

11. Mai 2015 | Mit dem Smartphone lernen statt Handyverbot? Die Schule im Digitalen Zeitalter

Spätestens ab der 6. Klasse wird das Smartphone für die Mehrzahl der Schüler zum festen Bestandteil ihrer Lebenswelt. Dies sorgt zuweilen für große Verunsicherungen in deutschen Schulen, welche auf die Herausforderungen der Digitalisierung meist mit einem allgemeinen Handyverbot reagieren. Doch ist dies der richtige Weg und obendrein erlaubt? Welche Möglichkeiten haben Lehrer und wo liegen die Grenzen? Im Rahmen einer Lehrerweiterbildung an der 36. Oberschule in Dresden am 4. Mai lag das Interesse der Lehrerschaft unter anderem bei Fragen rund um den Smartphoneeinsatz im Schulkontext. Bevor wir über unsere Eindrücke und Ergebnisse aus der Lehrerfortbildung berichten, möchsten wir an dieser Stelle zunächst das Thema Smartphone in der Schule theoretisch aufgreifen.

Viele Vorbehalte gegenüber Smartphones

Neben Argumenten wie Konzentrationsverlust, Ablenkung, Mobbing und Schummeln in Klausuren, wird im Schulkontext vor allem die durch Smartphones fehlende Erholungsphase der Schüler kontrovers diskutiert. Anstatt sich in der Pause zu erholen, tippen sie nur auf ihrem Smartphone herum und spielen, chatten, posten, liken was das Zeug hält. Sollten Lehrer dies unterbinden und die Schüler stattdessen mit einem Ball auf den Schulhof verweisen oder regelt sich die Smartphonenutzung von selbst? Kann man es überhaupt verbieten und ist dies von Nutzen? Oder führt ein schlichtes Verbot nicht vielmehr zu neuen Problemen?

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Regulierung der Handynutzung an deutschen Schulen unterliegt natürlich bestimmten rechtlichen Rahmenbedingungen, die an dieser Stelle mit Verweis auf die Internetseite irights.info natürlich nicht fehlen dürfen. Schulen können demnach nicht einfach nach Belieben eigene Regeln aufstellen, sie benötigen dafür eine gesetzliche Grundlage und müssen dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgen. Das jeweilige Schulgesetz der Länder stellt eine solche Grundlage, bleibt aber hinsichtlich der Handynutzung sehr allgemein. So können Schulen in einer Schulordnung festlegen, welche Maßnahmen sie vorsehen, um ihrer Aufgabe in der Erziehung und beim Unterricht zu erfüllen – und damit auch Regeln, die die Handybenutzung einschränken. Inwieweit es nun genau untersagt werden darf, das Handy zu benutzen und was bei Verstößen passiert, bleibt umstritten. Da ein allgemeines Handyverbot auf dem Schulgelände nämlich Grundrechte der Schüler wie freie Persönlichkeitsentfaltung und das Eigentumsrecht berühren kann, muss es verhältnismäßig sein. Auch die Rolle der Eltern, die ein zu berücksichtigendes Interesse daran haben können, ihre Kinder auf dem Handy erreichen zu können, spielt eine Rolle. Die Frage nach der Regulierung der Handynutzung an deutschen Schulen ist derzeit also keine eindeutige. Strengere Regelungen gibt es lediglich bei förmlichen Prüfungen. Dort kann einem Urteil des Verwaltungsgerichts Karlsruhe zufolge bereits das bloße Mitführen eines Handys als Täuschungsversuch gewertet werden.

Wichtige Helfer? Smartphones im Unterricht

Einen ganz anderen Weg hingehen gehen ausgewählte Schulen in NRW, die das Handyverbot abschaffen und die Smartphonenutzung mit dem Ziel mehr Medienkompetenz fest im Unterricht etablieren wollen. In Zusammenarbeit mit dem Learning Lab der Universität Duisburg – Essen haben die Pilotschulen ein gemeinsames Vorgehen bei der Einführung von Bring your own device (BYOD) geplant. Unter BYOD versteht man die Integration privater Endgeräte wie Tablets oder Smartphones in den Schulalltag. Die Projektpartner sehen den Einsatz von mobilen Geräten als Bereicherung und vor allem als Notwendigkeit an: “Unser Ansatz ist, wir müssen die Kinder so schulen, dass sie nicht in einem geschützten Umfeld aufwachsen und dann kommen sie raus und können damit nicht umgehen.”, betonte die stellvertretende Schulleiterin einer der beteiligten Schulen im Deutschlandfunk.
In einem regionalen Netzwerk werden die beteiligten Schulen Regelwerke und didaktische Konzepte erarbeiten und die gemeinsame Lehrerfortbildung planen. Es gibt viel zu tun: Unterrichtskonzepte müssen angepasst und Unsicherheiten geklärt werden.

phase6 mobile App: Kostenlose Lern-App für iPhone, iPad, iPod touch sowie für Android-Smartphones und Android-Tablets!
von phase6 News (CC BY 2.0)

Initiative ergreifen

Je nach Fach unterscheiden sich die Möglichkeiten des Smartphoneeinsatzes für Lehrer natürlich enorm, ein Patentrezept gibt es nicht. Dennoch lohnt es sich auch unserer Meinung nach über konkrete Möglichkeiten für den Smartphoneeinsatz im Unterricht nachzudenken, denn das Bildungspotential der kleinen Minicomputer wird gern unterschätzt. Gestalten Sie doch einfach mal eine virtuelle Schnitzeljagd mit Hilfe der App Actionbound (weitere Informationen auf den Seiten von pb21), arbeiten sie aktiv mit Vokabeln im Fremdsprachenunterricht mittels der Vokabelhilfen von PONS oder lassen Sie sich und den Schülern jeden Tag die “palabra del día” oder das “mot du jour” per PONS Sprachapp geben.

Möglichkeiten gibt es viele – ob nun Online-Quiz, Vokabeltrainer oder Videos per QR-Code in eine Stationsarbeit einbauen, wichtig ist nur zu wissen: Nicht alle Schüler haben eigene Endgeräte. Um diese nicht auszuschließen, können Sie auf Partnerarbeit oder Gruppenarbeit setzen. Smartphone-Inhalte sollten außerdem möglichst nur zusätzlicher und nicht obligatorischer Natur sein.

Liebe Leser: Haben Sie bereits Erfahrungen mit der Integration von Smartphones in den Unterricht gesammelt? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar und berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen, die anderen Lehrenden eine Hilfestellung sein können!

“Raus hier!” Mobiles Lernen mit Actionbound – ein #pb21-HowTo from pb21 on Vimeo (CC BY 3.0)

Autor: Marlene Jakob

29. April 2015 | Hinsehen und handeln

In der Regel gibt es an allen Schulen die ein oder anderen Probleme mit dem Social Web – in der einen Schule beleidigen sich die Schüler in klasseninternen WhatsApp-Gruppen, in der anderen Schule werden gemeine Bilder umhergeschickt und die nächste Schule bekommt die Smartphonenutzung ihrer Schüler generell nicht in den Griff. Mit den vielen schönen Möglichkeiten des Internet (vor allem auch des mobilen Internet) ergeben sich nun einmal ganz natürlich auch Herausforderungen. Solche Herausforderungen totzuschweigen oder ihnen gar nur durch Verbote zu begegnen, ist in wenigen Fällen eine wirkliche Lösung.

Herausforderungen geht man am Besten an, indem man sie erst einmal anerkennt und daraufhin thematisiert. Mit Betroffenen, mit Leidensgenossen, mit Kollegen, mit Experten oder beteiligten Gruppen in Austausch zu treten und zu diskutieren erweitert den eigenen Horizont, schafft Verständnis und ebnet den Weg zur Lösung. Frei der Maxime: Wer nicht diskutiert, der nicht gewinnt…

In diesem Sinne, freuen wir uns sehr über die Zusammenarbeit mit der Oberschule Hartha, die den Herausforderungen des Social Web proaktiv begegnet. Bereits im März fand dank des Engagements der Schulleiterin der Elternabend statt und nun kann dank des Engagements unseres Hauptsponsors enviaM der Schülerworkshop stattfinden – eine Premiere für unser Projekt. In Hartha werden wir das erste Mal mit Fünftklässlern arbeiten und fragen uns “Werden wir die abstrakten, komplexen Sachverhalte für eine so junge Zielgruppe mit sehr wenig Erfahrung im Social Web verständlich erklären können?” Die geringe Vorerfahrung ist für uns aber auch eine große Chance. Schließlich können wir hier tatsächlich präventiv tätig werden und den Schülern vor der Nutzung des Social Web mit Tipps und Tricks zur Seite stehen. So werden sie hoffentlich von Anfang an darüber nachdenken wer sie im Netz sein wollen und welche Informationen sie preisgeben – bevor die ersten Bilder um die Welt gegangen sein werden und  bevor das Netz sich so eine Meinung gebildet haben wird.

Logo_EnviaM_klein

Aber nicht nur in Hartha erwartet uns eine Premiere, sondern auch an der 36. Oberschule in Dresden. Hier dürfen wir das Kollegium an seinem pädagogischen Tag begleiten und einen intensiven, mehrstündigen Workshop zum Thema Social Web und Smartphonenutzung durchführen. Wir weichen also wieder von bekannten Bahnen ab und ergänzen unseren bewährten Lehrervortrag, der vorwiegend auf der Wissensvermittlung basiert, um einen interaktiven Veranstaltungsteil, zu dem die Schule mit ihren individuellen Voraussetzungen, Möglichkeiten und Wünschen im Mittelpunkt steht.

Welche Erfahrungen wir mit den Fünftklässlern in Hartha und den Lehrern in Dresden gemacht haben, erfahren Sie wie immer zeitnah hier, auf unserem Blog.

 

 

Autor: Kristin Stritzke

20. April 2015 | Aus dem Leben eines Trainers – Elternabend

Seit die “Social Web macht Schule”-Trainerinnen Marlene Jakob und Eugenia Oscherowski aus ihren Leben als Trainerinnen berichtet haben, ist im Projekt wieder viel passiert. Der Monat März stand nämlich ganz im Zeichen “Elternabend” – für das SWmS Team ging es nach Hartha, Chemnitz, Eppendorf, Zschopau und Dresden. Doch nicht nur für die Eltern war eine solche Informationsveranstaltung zu Sicherheit im Umgang mit Sozialen Medien eine Premiere, sondern auch für mich als Trainerin im Projekt.

Doch bevor ich von meinen Erlebnissen berichte, möchte ich ein großes DANKESCHÖN an die Eltern aussprechen. Die vollen Klassenzimmer, in denen zur Abwechslung einmal die Eltern die Schulbank drücken, haben mir gezeigt, dass Eltern sich für die Mediennutzung ihrer Kinder interessieren und ihre Kinder unterstützen wollen. Medien sind schnelllebig, bieten viele Lern- und Entwicklungschancen, bringen aber auch viele Gefahren mit sich. Es ist wichtig, dass sich Kinder Medienkompetenz aneignen. Und wie auf dem folgenden Feedbackbogen dargestellt: Auf diesem Weg sollten die Eltern sie mit einem offenen Ohr als gutes Vorbild begleiten.

Feedback-Bogen 2

Feedbackbogen Elternabend

Aller Anfang ist schwer

Anders als bei einem Schülerworkshop darf ich diesmal vor der Veranstaltung ausschlafen. Doch Nervosität macht sich im Laufe des Tages bei mir breit. Mehrmals laufe ich quer durch meine Wohnung und gehe immer wieder die Präsentation durch. Welche Fragen werden mir die Eltern stellen? Werden sie motiviert und interessiert sein oder eher müde und geschafft vom langen Arbeitstag sein? Kann ich den Anforderungen der Eltern gerecht werden? Den Tag verbringe ich mit viel lesen von weiterer Literatur zu Cybermobbing und sozialen Netzwerken und versuche mich auf mögliche Fragen vorzubereiten. Auch für die Zugfahrt zur ersten Schule habe ich mir Fachliteratur mitgenommen.

Sobald ich an der Schule bin, vergeht der Abend viel zu schnell. Lehrer werden begrüßt, die Technik wird überprüft und schon kann die Präsentation beginnen. Plötzlich ist es ganz ruhig im Raum. Diese Stille bin ich durch die Schülerworkshops nicht gewöhnt. Alle Elternaugen sind auf mich gerichtet und die anwesenden Personen hören aufmerksam zu. Gefahren und Potentiale des Social Web werden besprochen, auch einzelne soziale Netzwerke und Cybermobbing und Cybergrooming kommen nicht zu kurz.

Während des Elternabends merke ich, dass der Wissenstand der Eltern sehr unterschiedlich ist. Einige Eltern nutzen selbst ein Smartphone und soziale Netzwerke und können von ihren Erlebnissen aus dem Netz erzählen. Andere haben noch nie ein Smartphone besessen und können mit Begriffen wie “Account” oder “Social Web” kaum etwas anfangen. Ich versuche den unterschiedlichen Wissenstand gerecht zu werden und wähle einen Zwischenweg, damit mir jeder folgen kann, es aber auch nicht zu langatmig wird. Eh man sich versieht, ist der Mund trocken geredet und die Zeit ist vorbei.

Jeder Elternabend ist anders

Nach den ersten Elternabenden weiß ich nun, dass jede Infoveranstaltung ganz anders verläuft und je nach Schule die Eltern auch sehr unterschiedliche Fragen haben. Während die Eltern aus der einen Schule alles über Drohungen per WhatsApp und Kettenbriefe erfahren wollten, sehen Eltern aus einer anderen Schule eher die Smartphonenutzung ihrer Kinder kritisch. Sie wissen nicht, was ihre Kinder mit ihren High-Tech-Geräten genau machen und sind der Meinung, dass die Heranwachsenden zu viel Zeit mit den mobilen Alleskönnern verbringen. Auch kommt die Frage auf, was jüngere Geschwister im Vergleich zu ihrem älteren Geschwisterteil im Bezug auf das Smartphone dürfen und nicht dürfen. Handlungsanweisungen für eine angemessene und altersgerechtes Smartphonenutzung sind hier gefragt.

Wir Trainer sind auch immer bemüht das Konzept weiterzuentwickeln und anzupassen. Kritik und Anregungen sind uns dabei sehr wichtig. Wie mir die Feedback-Bögen der Eltern zeigen, gibt es an der einen oder anderen Stelle Verbesserungspotential. Einige Eltern finden den Elternabend zu lang und zu überladen mit theoretischen Fakten. Andere Eltern wünschen sich noch mehr und vor allem noch detailliertere Informationen.

Feedback-Bogen 1

Feedbackbogen Elternabend II

Großen Anklang finden dabei immer praktische Beispiele. Besonders wenn ich von meinen persönlichen Erlebnissen der Plattform YouNow erzähle, hören die Eltern aufmerksam zu. Auch Themen wie Amanda Todd oder Laura bewegen die Eltern sehr.

Um auch nach den Veranstaltungen praktische Tipps und Tricks zu erhalten und mit uns in Kontakt zu bleiben, können uns interessierte Eltern gern auf Twitter als @webmachtschule oder Facebook https://www.facebook.com/socialwebmachtschule folgen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback, Fragen und Anmerkungen!

Autor: Antonia Frenzel

16. März 2015 | Social Web macht Schule fragt nach: Gesetzesupdate Cybermobbing und Schutz vor sexuellem Missbrauch

Seit dem 26. Januar 2015 werden Kinder besser vor sexualisierter Gewalt und Cybermobbing geschützt. Ähnlich wie in Sachen Stalking reagiert der Gesetzgeber endlich auf Themen, die nicht nur Eltern sondern auch Gerichte seit Jahren bewegen, insbesondere die Veröffentlichung von Bildern.

Bereits im November letzten Jahres beschlossen, dient das 49. Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches der Umsetzung der EU-Richtline zur Bekämpfung von Kinderpornographie, ist aber zugleich auch als Reaktion auf die Edathy-Affäre zu sehen.

Paragraf 201a StGB

Nicht nur Nacktaufnahmen von Prominenten werden im Internet heiß gehandelt, sondern auch „Rachefotos“ oder „Rachevideos“ von Minderjährigen, sei es mit sexuellem Inhalt oder in hilflosen, peinlichen Situationen. Seit 10 Jahren ist beispielsweise “Happy Slapping” in Deutschland bekannt; ein Unbekannter wird geohrfeigt oder zusammengeschlagen, dabei gefilmt und das Video dann im Internet verbereitet.
Durch die Gesetzesänderung werden Opfer nun besser geschützt.
Paragraf 201a regelt die “Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen”. Wer unbefugt Bilder oder Videos herstellt oder überträgt, die “die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau” stellen und dadurch “den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt”, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden. Ebenso wird bestraft, „wer unbefugt von einer anderen Person eine Bildaufnahme, die geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, einer dritten Person zugänglich macht” oder „wer eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer Person unter 18 Jahren zum Gegenstand hat, herstellt, anbietet, um sie einer dritten Person gegen Entgelt zu verschaffen oder sich oder einer dritten Person gegen Entgelt verschafft.“

Wie HEISE anmerkt, verbot bisher zwar bereits Paragraf 184c StGB Aufnahmen von Jugendlichen unter 18 Jahren, umfasste dabei jedoch nur Bilder oder Filme mit pornografischem Inhalt. Das neue Gesetz ist somit weitreichender. Ausnahmen bilden nur Handlungen, die im Interesse der Kunst, Wissenschaft, Forschung, Lehre, Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken erfolgen.

Spätere Verjährung von Sexualstraftaten

Das Justizministerium begründet diesen Schritt mit der starken Traumatisierung der Opfer und den großen Zeitraum, die diese benötigen, um das Geschehene zu verarbeiten. Die strafrechtliche Verjährung bei Sexualdelikten, insbesondere beim sexuellen Kindesmissbrauch, beginn nun erst mit Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers. Damit können alle schweren Sexualdelikte nicht mehr vor der Vollendung des 50. Lebensjahrs des Opfers verjähren.

Eigentlich wird alles besser, oder?

Dass Kinder künftig noch besser vor sexualisierter Gewalt geschützt werden, ist ein richtiges und wichtiges Signal, resultierte Bundesjustizminister Heiko Maas. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die bemängeln, dass das neue Gesetz zu weitgehe und befürchten, dass Hobbyfotografen ohne böse Absicht strafbar gemacht werden könnten. Gemäß Artikel 201a beispielsweise würden Knipser von typischen Partyfotos, auf denen Betrunkene letztendlich „in ihrer Hilflosigkeit“ abgebildet wären, sich bereits im Bereich der Strafbarkeit bewegen. Anders als bisher wäre jetzt das bloße Fotografieren bereits strafbar, so die Befürchtung. Ein Schritt in die falsche Richtung also?

Der Medienanwalt Bernhard Kelz, der “Social Web macht Schule” mit Rat und Tat zur Seite steht, sieht das anders:
“Die Initiative des Gesetzgebers ist wichtig, vermittelt aber vielleicht auch eine falsche Sicherheit. Aus Erfahrung wissen wir, dass Cybermobbing von den Tätern häufig nicht als solches wahrgenommen wird und auch die teils drastischen juristischen Konsequenzen nicht bekannt sind. Damit die neuen Gesetze auch präventiv wirken können ist Aufklärungsarbeit unumgänglich. Darüber hinaus sollten sich Betroffene auch weiterhin nicht nur auf das Strafrecht verlassen. Die Strafverfolgungsbehörden bemühen sich um die Bestrafung des Täters, nicht aber um die Beseitigung negativer Folgen, wie z.B. das Löschen beleidigender Beiträge oder intimer Bilder in sozialen Netzwerken. Dabei ist gerade das für viele Betroffene weitaus wichtiger als die Bestrafung des Täters. Das lässt sich aber auch mit den neuen Gesetzen nur zivilrechtlich erreichen. Die fachkundige Beratung ist hier einfach ein Muss.“

Strafrecht vs. Zivilrecht - Strafrecht

Quellen:

spiegel.de

bmjv.de

bundesanzeiger-verlag.de

heise.de

 

Kristin Stritzke / Marlene Jakob

Autor: Kristin Stritzke

11. März 2015 | Selbst aktiv werden – beim Wettbewerb „My Digital World“

Für alle Lehrer, die ihre SchülerInnen unterstützen wollen; für alle SchülerInnen, die sich kreativ und sozial engagieren wollen; für alle Eltern, die ihre Kinder fördern wollen: Der Wettbewerb „My Digital World“ bietet eine gute Gelegenheit, selbst aktiv zu werden, Cybermobbing, Datenmissbrauch & Co. den Kampf anzusagen, und nebenbei auch noch attraktive Preise zu gewinnen. Mehr Informationen dauz gibt´s hier.

Ob Theaterstück, ein IT-Nachhilfe-Kurs, ein Blog oder die eigene App zum Thema Datenschutz – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Eingereicht werden können die Beiträge in drei unterschiedlichen Kategorien und mit etwas Glück wird das Projekt von der Jury zu den Finalisten gewählt und auf www.mydigitalworld.org präsentiert. Außerdem bestimmen die User auf Facebook mit, welche Beiträge in die Vorauswahl des Jurypreises kommen. Die Preisträger werden dann im Juni 2015 zur Prämierung eingeladen, wo sie ihr Projekt präsentieren können und von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maiziére geehrt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Projekt weiterzuentwicken und tolle Preise zu gewinnen.


Aufruf-Clip zum Jugendwettbewerb “My Digital World” von My digital world – Bundesjugendwettbewerb

Wer kann teilnehmen?

EinzelbewerberInnen oder Gruppen im Alter von 13 bis 21 Jahren.

Wie kann man teilnehmen?

Einreichung eines kurzen Video-Beitrags über Ideen, Beispiele und Projekte zum Thema Sicherheit im Internet. Die Beiträge können bis zum 31.03.2015 in einer von drei Kategorien eingereicht werden.

Materialien

Zur Inspiration für Lehrende wird ein Arbeitsbogen Internetsicherheit bereitgestellt und Artikel und Texte, die im Unterricht als Basis zur Ideenfindung genutzt werden können.

Weitere Informationen auf: https://www.mydigitalworld.org/wettbewerb

My Digital World ist ein Wettbewerb von Deutschland sicher im Netz e.V., ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Sicherheitsbewusstsein und das Verhalten von Internetnutzern durch konkrete Hilfestellungen zu verbessern. Der Wettbewerb ist auf Initiative des IT-Gipfels der Bundesregierung entstanden und wird gemeinsam mit einer Vielzahl von Partnern ausgerichtet.

Autor: Marlene Jakob

9. März 2015 | Feedback der Oberschule Frankenberg zur Projektdurchführung

Nachdem Eugenia Oscherowski, Trainerin im Projekt “Social Web macht Schule” von Ihren Eindrücken und Erfahrungen an der Erich-Viehweg-Oberschule Frankenberg berichtet hat, freue ich mich das Feedback der stellvertretenden Klassenlehrerin Frau Grundstein teilen zu können.

“Das Team der Queo-Group besuchte die Erich-Viehweg-Oberschule in Frankenberg am 4. und 5. Februar. Das informative Projekt zum Thema Social Web deckte eine Vielzahl an Facetten ab.

Als Basis für die weiterführende Arbeit wurden zunächst die Vor- und Nachteile des Internets eruiert. Dabei war es den Projektleiterinnen wichtig, den Schülerinnen und Schülern die Gefahren deutlich ins Bewusstsein zu rufen, jedoch keinesfalls das Internet als Ganzes zu verteufeln. Ein Schwerpunkt des ersten Projekttages lag dann folgerichtig auch auf den Themen Datenschutz und sorgsamen Umgang mit eigenen Daten. Dabei wurden sowohl die Möglichkeiten, die Nutzer sozialer Netzwerke wie Facebook und What’s App haben, um ihre Privatsphäre zu schützen, thematisiert als auch latente Gefahren und Risiken angesprochen. Desweiteren wurden die Schülerinnen und Schüler für richtiges Verhalten in Chatrooms und die Optionen, die dort zum Schutz der Nutzer bereit stehen, sensibilisiert, bevor ein Online-Quiz den ersten Projekttag abrundete. Dabei durften die Teilnehmer zu einer Auswahl an sozialen Medien eigene Fragen entwickeln, die sie ihren Mitschülerinnen und Mitschülern stellen konnten. Hierbei wäre jedoch mehr Lenkung wünschenswert gewesen, da manche Lernenden Fragen zum Kaufpreis mancher Produkte stellten, die vor dem thematischen Hintergrund des Projektes wenig gewinnbringend waren.

Erich-Viehweg-Oberschule Frankenberg

Erich-Viehweg-Oberschule Frankenberg

Der folgende Tag stand ganz im Zeichen des Problems “Cybermobbing”. Nach der begrifflichen Klärung wurden sinnvoll gewählte Videos gezeigt, die sowohl das Worst-Case-Szenario beleuchteten, als auch Einblicke in verantwortungsvollen Umgang mit der Problemstellung gewährten. Neben diesen hilfreichen Verhaltensstrategien, die den Schülern an die Hand gegeben wurden, durfte auch ein Blick auf die rechtlichen Konsequenzen und Handlungsoptionen nicht fehlen. In einem Rollenspiel in Form einer Talkshow durften Schülerinnen und Schüler anschließend ihr schauspielerisches Talent und ihre Fähigkeit zur Empathie testen bzw. unter Beweis stellen.

Hinsichtlich der Methoden stellten die Teilnehmer fest, dass die Erarbeitungsform der Gruppenarbeit sehr angenehm war und eine willkommene Abwechslung zum frontalen Informationsangebot darstellte. Gerade aus lernpsychologischer Sicht ist eine selbstständige Erarbeitung der Gefahren des Internets und des richtigen Verhaltens bei Cybermobbing, wie im Rahmen dieses Projektes geschehen, überaus wünschenswert. Außerdem wurden die Erklärungen der Projektleiterin als sehr verständlich eingestuft. Einziger Negativaspekt, der angemerkt wurde, betraf die ausführliche Behandlung der sozialen Medien im Allgemeinen, wobei dies wohl der hohen Technikaffinität einzelner Teilnehmer geschuldet war.

Insgesamt betrachtet ist dieses Projekt sehr gut geeignet, den Schülerinnen und Schülern auf überlegte Art und Weise die täglichen Risiken im Umgang mit den sozialen Medien zu verdeutlichen und geeignete Verhaltensstrategien bereitzustellen.”

Frederick Grundstein, stellv. Klassenlehrer

Autor: Kristin Stritzke

3. März 2015 | Ein Tag im Leben eines Trainers – Teil 2

Nachdem Marlene Jakob, eine Trainerin aus dem Projekt “Social Web macht Schule” zu Wort gekommen ist, ist einige Zeit ins Land gegangen und in der Zwischenzeit waren wir nicht untätig. Anfang Februar waren wir wieder an der Oberschule Frankenberg. Wer sich noch erinnert: wir waren im September des letzten Jahres bereits in Frankenberg zu Gast gewesen. Dabei ist unter anderem dieser Beitrag im Regionalfernsehen entstanden.

Wir bedanken uns recht herzlich bei der Schulleiterin Frau Anders und dem Lehrerkollegium für die erneute Gastfreundlichkeit!

Heute möchte ich über das Geschehene berichten: ein Tag aus dem Leben eines Trainers reloaded.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund

Auch diesmal fängt der Trainer-Tag an, bevor die Sonne am Himmel zu sehen ist. Bei einem Blick aus dem Fenster sehe ich, dass es nachts geschneit hat. Mit einem „Brrrr“ mache ich mir eine heiße Tasse Kaffee, ziehe mich warm an und beeile mich. Um pünktlich meine Co-Trainer abzuholen und zeitig im Klassenraum zu stehen muss ich mich jetzt um das Freikratzen des Autos kümmern.

Auf der Autobahn in Richtung Frankenberg macht sich Aufregung breit! Es werden die letzten Absprachen getroffen („Wann genau treffen wir uns in der ersten Unterrichtsstunde?“), Konzepte verglichen („Macht ihr die oder die Übung?“) und generelle Vorfreude geteilt („In der 8. Klasse waren wir schon lange nicht mehr – da kann man ja richtig viel machen!“). Ich bin dabei mehrfach nervös: Ich darf heute ein ganz neues Unterrichtskonzept ausprobieren!

In der Schule angekommen, verteilen wir noch schnell die Materialien auf die drei Klassenräume, legen unsere Konzepte zurecht und starten den Beamer: Ein neuer Workshop in unserem Trainer-Leben beginnt mit den Worten „Herzlich Willkommen im Projekt Social Web macht Schule!“.

Probieren geht über Studieren

Während die erste und zweite Unterrichtsstunde noch wie gewohnt für mich ablaufen – mit viel Gruppenarbeit und Interaktivität – sehe ich mit Aufregung und Sorgen der 3. Unterrichtsstunde entgegen – einem neuen Unterrichtsentwurf. Wir Trainer im Projekt „Social Web macht Schule“ bemühen uns, den Schülern die Themen Sicherheit und Verantwortungsbewusstsein im Internet möglichst interaktiv, spannend und praxisnah beizubringen. Aus diesem Grund überarbeiten wir regelmäßig unser Konzept, um auf die neuen Anforderungen in Gesellschaft und Technik und auch die Bedürfnisse unterschiedlicher Klassenstufen besser eingehen zu können.

Diesmal probiere ich mit meiner 8. Klasse das Konzept der Blogs aus – die Schüler haben eine Stunde Zeit zum freien Arbeiten. Sie informieren sich selbstständig im Internet zu einem Thema (zur Auswahl stehen „Ich & Privatsphäre“, „Ich & Instagram“, “Ich & mein Smartphone” uvm.) und gestalten zu diesem Thema einen Blog. Dieser Blog wird anschließend vor der gesamten Klasse vorgestellt – so sind alle Schüler gleichermaßen über alle Themen informiert.

Was erhoffen wir uns von den Blogs? Wir erhoffen uns, die Lebenswelt der Schüler besser einbeziehen zu können und sie dabei über den WhatsApp-Facebook-Tellerrand hinausschauen zu lassen. Wir erhoffen uns intensives Recherchieren und Aufarbeiten von Themen rund um Privatsphäre und Datenschutz. Und wir erhoffen uns zaghafte Schritte hinsichtlich eines bewussteren Umgangs mit neuen Medien und medienpädagogische Befähigung. Ganz nebenbei: Lernen über Quellenkritik bei Verwendung des Internets ist ein positiver Nebeneffekt, den hoffentlich viele Schüler auch für ihre Hausaufgaben nutzen können.

Soweit die Theorie. Und die Praxis? Die Schüler gehen mit Begeisterung an das Projekt und stürmen in den Medienraum. Die PCs werden eingeschaltet und es wird fleißig recherchiert und begeistert diskutiert. Und doch wird uns ein Strich durch die Rechnung gemacht – die Computer sind langsam, WordPress lädt kaum und oft bleibt der Browser hängen, sodass die Artikel der Schüler verschwinden.

Mein Fazit: Die Blogs kommen super bei den Schülern an – es werden wichtige und richtige Erkenntnisse gewonnen und spannend dargestellt. Doch die Computerkabinette (und damit ist Frankenberg nicht allein! Wenn nicht gar Frankenberg unter den Schulen, die wir bisher besucht haben noch am besten ausgestattet war.) müssen dringend im 21. Jahrhundert ankommen – um im Zeitalter des Internets mithalten zu können und den Schülern das Erlernen von Medienkompetenz zu ermöglichen. Dennoch sind die Schüler von meinem Unterrichtsversuch begeistert – wir werden also weiter an dem Konzept feilen und schleifen, um die Themen Datenschutz und Privatsphäre möglichst spannend und lebensnah zu vermitteln.

Wir haben FERTIG!

Nach dem letzten Klingeln für den heutigen Tag fällt die Anspannung von uns ab und wir begeben uns zum Auto. Doch mein Tag ist nicht vorbei! Ich bringe die anderen zwei Trainerinnen, die in den Parallelklassen unterrichtet haben, schnell zum Bahnhof und fahre zur Schule zurück, um mich vor dem bevorstehenden Elternabend noch zu erholen.

Abends, wenn es wieder dunkel ist, macht die Schule erneut ihre Türen auf – die Eltern der drei 8. Klassen sind da, um genau wie ihre Jüngsten die Schulbank zu drücken. Auch sie werden sich über die aktuellen Entwicklungen in den Sozialen Medien informieren und lernen, wie sie ihre Kinder unterstützen können. Das große Thema des Elternabends ist Cybermobbing – ich erkläre, dass wir bei den Schülern Empathie für die Opfer wecken und den Schülern Werkzeuge mit an die Hand geben wollen, damit sie sich im Zweifelsfall schützen können. All dies erarbeiten die Schüler dann am Tag zwei und visualisieren ihre Ergebnisse, wie auf dem Foto zu sehen ist.

Gefühle und Gedanken von Opfern in einem Cybermobbing-Szenario

Am Ende des Abends einigen sich die Eltern darauf, dass Aufklärung der wichtigste Schritt zur Vorbeugung von Cyber-Kriminalität ist – und mein Job ist damit für den Tag wirklich vorbei.

Und täglich grüßt das Murmeltier …

Durch Schneeberge und Nebel mache nun auch ich mich auf den Rückweg nach Dresden, um sofort ins Bett zu fallen und am folgenden Tag wieder vor Sonnenaufgang aufzuwachen. Denn der zweite Tag des Workshops steht an – Cybermobbing ist das große Thema des Tages.

Wir sprechen viel über Mobbing im Internet und versuchen zu sensibilisieren und das Empathievermögen der Schüler zu stärken. Das klingt ja sehr nett, aber wie kann man das konkret umsetzen? Einerseits fühlen sich Schüler in einigen unserer Übungen gezielt in bestimmte Rollen ein, wie die des Opfers, des Unterstützers, etc. Damit einhergehend beschäftigen sie sich mit den Gedanken, Gefühlen und Wünschen der jeweiligen Akteure. Indem wir beispielsweise eine Mobbing-Talkshow durchführen, schlüpfen die Schüler wie Schauspieler in die entsprechende Rolle.

Andererseits sprechen wir die Emotionen der Schüler gezielt an und bieten ihnen einen geschützten und anonymen Raum, um ihre Gedanken zu reflektieren und auszudrücken. Das gelingt uns vor Allem durch die Geschichte von Amanda Todd. Die Schüler reagieren betroffen;

  • „Es ist verdammt traurig, und da sieht man, was Mobbing mit den Menschen macht und wie kaputt man die Opfer damit macht“
  • „Mir tut das Mädchen echt Leid. Ich bin traurig aber auch wütend auf die, die sie so fertig gemacht haben. Eine sehr traurige Geschichte“
  • „Traurig“
  • „Sie musste sehr leiden“

Eine Auswahl der Reaktionen der Schüler ist ebenfalls auf dem Bild oben zu sehen.

Nachdem ich das Video von Amanda Todd zeige, ist die Stimmung auch in meinem Klassenraum ernst. Meine Klasse fühlt mit Amanda mit und möchte nun lernen, wie man sich im Zweifelsfall verteidigen kann. Ich kläre die Schüler darüber auf, wie wichtig die Dokumentation der Vorfälle ist (per Screenshots oder Ausdrucken), wen man zur Unterstützung hinzuholen kann (Freunde, Eltern, Beratungslehrer) und welche Rechte man vor dem Gesetz hat. Am Ende des Tages bezieht die Klasse eine klare Position gegen Cybermobbing – die Schüler erstellen eine Anti-Cybermobbing-Vereinbarung und unterschreiben sie. Danach wird noch Feedback an die Trainer aufgeschrieben und der Workshop ist vorbei.

Im Auto sammeln wir Trainer das Feedback der Schüler und werten es aus. Insgesamt fanden die Schüler die zwei Tage gut und hatten Spaß in unserem Workshop. Solches Feedback motiviert uns doch immer wieder und wir freuen uns schon auf die nächsten Workshops in unserem Projekt!

Feedback der Schüler nach unserem zweitägigen Workshop

Feedback der Schüler nach unserem zweitägigen Workshop

Autor: Eugenia Oscherowski

17. Februar 2015 | YouNow – das offene Kinderzimmer

Ein neuer Internetdienst zieht immer mehr Jugendliche an. Gleichzeitig schrecken Datenschützer auf und beschwichtigende Stimmen geben Entwarnung. Die Rede ist von der Streaming-Plattform YouNow.

Privat Kunst Stück

Privat Kunst Stück von Thomas Kohler (CC BY-SA 2.0)

Was ist YouNow?

Mit YouNow können die Nutzer Livestreams von sich veröffentlichen. Andere Nutzer können die Streams live kommentieren und Fragen stellen. Ursprünglich wurde YouNow hauptsächlich von YouTube-Stars genutzt, um mit ihren Fans zu kommunizieren. In den letzten Wochen ist diese Plattform bei Jugendlichen, vor allem bei den Jüngsten, beliebt geworden. Laut Spiegel-Online ist die Zahl der Nutzer in den letzten zwei Monaten um 250 Prozent gestiegen.

Das Mindestalter ist laut AGBs 13 Jahre. Doch wer sich auf der Plattform umschaut, wird auch auf deutlich jüngere Heranwachsende treffen. Dieses Problem ist auch jüngst YouNow selber aufgefallen. Auf ihren Blog äußert sich die Plattform dazu: „Nutzern unter 13 Jahren ist der Zugang zu unserem Portal nicht erlaubt und diese würden ebenfalls mit sofortiger Wirkung verbannt werden.“

Ein Rundgang auf YouNow

Als Trainerin von Social Web macht Schule habe ich die Plattform genauer unter die Lupe genommen und mir an einem Abend einige Kanäle auf YouNow angesehen. Ohne Anmeldung gelange ich sofort zu den Streams. Ich entscheide mich dazu mich in den deutschsprachigen Kanälen umzusehen.

Mir gegenüber sitzt ein etwa 17-jähriges Mädchen. Sie ruft wahllos andere User an, die ihr vorher ihre Handynummern geschickt haben. Die erste Angerufene ist 12 Jahre jung und verrät während des Gespräches ihren Namen, ihren Wohnort und ihr Geburtsdatum und lädt gleich das fremde Mädchen aus dem Kanal zu ihrer Geburtstagsfeier ein. Es folgen weitere Anrufe.

Ich entscheide den Kanal zu wechseln.

Mir gegenüber sitzen zwei Jungs im geschätzten Alter von 14 Jahren und spielen ein Computerspiel. Das ist mir zu langweilig.

Ich klicke mich durch ein paar Kanäle. Ich erblicke einen Jungen, der mit einer rauchenden Zigarette im Bett liegt. Wieder klicke ich weiter.

Mich schauen vier Mädchen an – oder auch nicht. Alle vier starren in gebückter Haltung auf ihre Smartphones. Sie wischen und tippen darauf. Das eine Mädchen wählt plötzlich eine Nummer. Das gleiche Spiel wie im ersten Kanal folgt. Diesmal wählt sie wahllos fremde Nummern und ruft die Leute an. Ich möchte die Gespräche nicht mithören und wähle mich in den nächsten Kanal.

Ich schaue in ein Wohnzimmer. Alles ist sauber aufgeräumt, im Hintergrund springt eine Katze herum und es läuft Musik. Nach einer Minute setzt sich ein Mädchen vor die Kamera. Sie ist deutlich unter 13 Jahre. Sie stellt vor sich einen großen Teller Spagetti und fängt vor der Kamera an zu essen. Ich bekomme Hunger und entscheide mich dazu, die Seite zu verlassen.

Mein Fazit

Während meines YouNow-Rundgangs konnte ich in viele Kinderzimmer und elterliche Wohnzimmer schauen. YouNow ermöglicht einen Einblick in die Welt der Teenager, ihre ganz eigene, private Sphäre. Ist das nun gut oder schlecht?

Immer wenn ich mich frage, ob eine Technologie tendenziell Probleme hinsichtlich Datenschutz oder Privatsphäre verursachen könnte, übertrage ich das Virtuelle auf das Reale. Hier stellt sich also die Frage, ob ich einen maskierten Fremden von der Straße einfach mit in mein Wohnzimmer nehmen, seine Fragen beantworten und ihm Zugang zu meinen Bildern oder privaten Informationen geben würde. Und eben hier liegt das Problem: Younow ist eine der Technologien, die uns durch die Virtualität eine gewissen Privatheit und Anonymität vorspielt. Wir fühlen uns sicher und allein vor unserem Rechner. Als mündiger Internetnutzer entscheiden wir tatsächlich auch selbst, wo unsere Privatsphäre anfängt und welche Inhalte wir teilen möchten. Hier liegt der Knackpunkt: Der mündige, selbstbestimmte und reflektierte Internetnutzer.

Ich habe keinen bei younow gesehen, sondern nur Jugendliche, die für ein paar mehr Likes und ein bisschen mehr Aufmerksamkeit noch die letzten Hüllen haben fallen lassen.

Ob nun gut oder schlecht steht außer Frage. Es hat Vorteile, aber es hat eben auch gravierende Nachteile. Aus der Perspektive einer Mutter oder eines Vaters, der sich mit diesen Themen auseinandersetzt, wäre wohl von einer kindlichen Younow Nutzung abzuraten. Aus der Perspektive des Lehrers, der während des Unterrichtens ohne sein Wissen gefilmt wird, auch.

Und weiter?

Es bleibt noch das (traurige) Fazit von Praschl (2015): „Wenn sie nicht so ängstlich und herablassend wären, fiele Erwachsenen möglicherweise das Großartige an YouNow auf: Wann hat es das schon gegeben, dass Teenager stundenlang erzählen können, wie ihr Leben so ist, ohne dass ihnen jemand ins Wort fällt, sie auf später vertröstet, korrigiert, mit Ratschlägen zuspamt? Schade eigentlich, dass es das nur für junge Leute gibt. Schließlich könnten auch Erwachsene es gut gebrauchen, sich leer reden zu dürfen.“

Unabhängig davon, dass den Teenies auch bei Younow ins „Wort“ gefallen wird und keine wirklichen Unterhaltungen entstehen, stellt Praschl eine interessante Forderung: Hört den Jugendlichen einfach mal wieder zu – ohne Angst, ohne Vorurteile, ohne einen Ratschlag parat zu haben. Mal so richtig real und analog. Unterhalten kann man sich mit Jugendlichen nämlich tatsächlich auch solange man ihnen wirklich und echt Aufmerksamkeit schenkt, aktiv zuhört und sie nicht einfach alleine Spagetti essen lässt.

Quellen:

Welt.de

Spiegel-online.de

Juuuport.de

Der letzte Aufruf erfolgte jeweils am 16.02.2015.

Autor: Antonia Frenzel

10. Februar 2015 | Social Web macht Schule goes Facebook&WhatsApp

Es ist soweit: der Safer Internet Day hat begonnen und auch “Social Web macht Schule” nutzt diesen Tag, um das Internet ein kleines Stück besser zu machen!

sid2015_Aufkleber_80x80

Ab heute gibt es Neuigkeiten aus unserem Projektalltag und Informationen zu einem sicheren Umgang mit der digitalen Welt auch auf Facebook. Das hat den großen Vorteil, dass endlich diskutiert, kommentiert und “gelike´t” werden kann! Also los gehts: Besucht unseren Internetauftritt und teilt ihn mit Freunden, Bekannten und all denen die sich für eine bewusste Mediennutzung einsetzen, einsetzen wollen oder einsetzen sollten. Denn dafür ist diese Plattform letztendlich da: Vernetzung und Diskussion. Wir sind gespannt auf eure Meinungen!

Es gibt einige Probleme und Herausforderungen, die man ungern mit der ganzen (Facebook-)Welt teilt. Aus diesem Grund steht “Social Web macht Schule” nun auch per WhatsApp mit Rat und Tat zur Seite. Während unserer Arbeit an Schulen mussten wir leider feststellen, dass Cybermobbing kein isoliertes und auch kein vereinzelt auftretendes Phänomen ist. Cybermobbing bahnt sich seinen Weg in die sächsischen Klassenzimmer und hat ernstzunehmende Konsequenzen für die Betroffenen. Über WhatsApp stehen wir nun allen zur Verfügung, die Opfer von Cybermobbing sind oder Opfern von Cybermobbing helfen wollen. Schnell und unkompliziert können wir auf diese Weise Tipps und Tricks im Umgang mit Cybermobbing geben – von Hinweisen zum richtigen Dokumentieren der Vorfälle per Screenshot bis hin zu weiteren Handlungsempfehlungen, um den Cybermobbing-Kreislauf zu durchbrechen. Und der erste Schritt Cybermobbing die Stirn zu bieten ist: Tief durchatmen und Hilfe suchen – Bleib nicht still bei Cybermobbing!

Und weil aller guten Dinge drei sind, ist vielleicht auch schon dem ein oder anderen aufgefallen, dass die Webseite von “Social Web macht Schule” im neuen Look daherkommt. Wie gefällt es euch?